Die Brillenschlange – eine Augenweide!
Ode an die Frau mit Brille
Du trittst herein. Der Raum wird weit,
als wär ihm Sinn gegeben;
was eben noch zerstreut erschien,
beginnt in dir zu leben.
Die Gläser, fein vor deinem Blick,
sind nicht bloß klare Scheiben:
Sie sammeln Welt, verknüpfen Zeit
und lassen Sinn verbleiben.
Du gibst dem leichten Worte nun
ganz unvermutet ein Gewicht;
was einst kaum als Pointe galt,
besteht vor deinem Licht.
Du trägst die Gläser, und zugleich
wird ihre Form zur Kunde:
von Maß, Geschmack und Gegenwart,
von Geist in jeder Runde.
Was du erblickst, gewinnt Kontur,
was fern lag, tritt ins Helle.
Nicht, weil du lauter urteilst –
weil Klarheit deine Quelle.
Und trifft dein Blick den meinen kurz,
so bleibt, was keiner sagte:
Dass sich die Welt in deiner Sicht
zu höherer Ordnung wagte.
Bleib, wie du den Tag durchquerst,
mit jener stillen Art,
die nichts verspricht und dennoch mehr
als jedes Wort bewahrt.
Seit du mir endlich nahe bist,
erscheint die Welt mir neu und klar;
nicht, weil du sie verwandelt hast –
weil sie durch dich schon war.
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